Erst einmal dies: Deine Katze ist nicht verwöhnt… du bist einfach hervorragend erzogen. Deine Katze miaut und du springst auf. Sie schaut dich mit großen Augen an und du öffnest die Leckerlis. Sie stupst etwas vom Tisch und du reagierst sofort. Herzlichen Glückwunsch: Deine Katze hat dich perfekt erzogen. Aber keine Panik, denn das ist völlig normal. Katzen tun einfach, was funktioniert. Bekommen sie Aufmerksamkeit oder eine Belohnung nach bestimmtem Verhalten, speichern sie das als Erfolgsrezept und wiederholen es. Die gute Nachricht: Du kannst dieses Muster umkehren. Die weniger schöne Nachricht: Es fängt wirklich bei dir an.
Wie erkennt man verwöhntes Verhalten bei Katzen?
Eine verwöhnte Katze ist keine schlechte Katze. Es ist eine Katze, die Folgendes gelernt hat:
- Miauen = Aufmerksamkeit
- Hartnäckig sein = essen
- Zerstören = Reaktion
- Durchhalten = siegen
Katzen denken nicht in „darf ich / darf ich nicht“. Sie denken: Bekomme ich hier meinen Willen? Schön, dann machen wir das öfter.
Dies ist der wichtigste Schritt. Und auch der schwierigste.
Miaut deine Katze außerhalb der festen Zeiten nach Futter? → Nicht füttern.
Schiebt sie etwas vom Tisch, um Aufmerksamkeit zu bekommen? → Nicht reagieren.
Läuft sie hysterisch hinter dir her wegen Leckerlis? → Nicht nachgeben.
Jedes Mal, wenn du doch nachgibst, lernt deine Katze: Siehst du, Durchhalten lohnt sich. Und Achtung: Schimpfen, Seufzen oder „Nein!“ rufen ist auch Aufmerksamkeit.
Viel verwöhntes Verhalten dreht sich ums Essen.
Was hilft:
• Feste Fütterungszeiten
• Weniger Zwischenmahlzeiten
• Kein Füttern nach Aufmerksamkeitsheischen
So lernt deine Katze: Essen gibt es, wenn es Zeit ist, nicht wenn ich Krach mache. Tipp: Verwende ein Futterrätsel. Dann wird Essen eine Beschäftigung statt eine Belohnung fürs Quengeln.
Nur Ignorieren reicht nicht aus. Du musst auch zeigen, was wirklich wirkt.
Ist deine Katze ruhig? → Aufmerksamkeit.
Liegt sie entspannt da, statt zu jammern? → Streicheln.
Kommt sie ohne Theater zu dir? → Gespräch, spielen, kuscheln.
Viele „verwöhnte“ Katzen langweilen sich einfach.
Eine Katze, die das nicht tut:
• spielt
• klettert
• jagt
• geistig gefordert wird
…sucht sich selbst Unterhaltung. Und dann bist du das liebste Spielzeug im Haus.
Sorge also täglich für:
• 2 Spielzeiten von 10–15 Minuten
• Kratz- und Klettermöglichkeiten
• Einen Platz am Fenster
• Ab und zu etwas Neues (Karton, anderes Spielzeug)
Eine zufriedene Katze hat weniger Bedürfnis, Ärger zu machen.
Wenn du nachts reagierst (auch nur einmal), denkt deine Katze: Aha. Das funktioniert also auch um 03:47 Uhr.
Was hilft:
• Spielen vor dem Schlafengehen
• Letzte Mahlzeit am Abend
• Nachts keine Reaktion
In den ersten Tagen wird es oft schlimmer, was völlig normal ist. Deine Katze versucht es dann noch einmal besonders stark. Aber bleib dran, denn es wird nachlassen.
Gut zu merken
Jede Katze ist nicht gemein, sie ist klug. Und du? Du warst einfach etwas zu nachgiebig. Grenzen machen sie nicht unglücklich: Sie geben vielmehr Ruhe, weil Katzen auf Klarheit und Vorhersehbarkeit angewiesen sind. Einer verwöhnten Katze etwas abzugewöhnen bedeutet also nicht, dass du weniger lieb bist. Es bedeutet, dass du klar mit deinen Grenzen bist, und eine Katze, die weiß, woran sie ist, ist ruhiger, gelassener und einfach geselliger im Haus.

